Lokalisiert und optimiert – so gelingt die internationale Website

Bei der Internationalisierung Ihrer Marke dreht sich alles um eine starke Webpräsenz. Über eine internationale Website finden potenzielle Kunden Informationen zu Ihrem Angebot und Kontaktmöglichkeiten. Entsprechend großen Wert sollten Sie daher auf eine sorgfältige Lokalisierung legen und Ihre Website sprachlich, technisch und kulturell an internationale Gepflogenheiten anpassen.

Grundlegendes für die internationale Website

Die Ansprache verschiedener Märkte in der jeweiligen Landessprache bedeutet einen nicht unerheblichen Aufwand bei der Erstellung und Wartung Ihrer Webpräsenz. Dieser kann sich allerdings lohnen, denn die Sprache einer Webseite ist ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auswahl eines Anbieters.

40 Prozent der Befragten einer Studie von CSA Research und Kantar gaben etwa an, keine Produkte zu kaufen, wenn Websites nicht in ihrer Muttersprache angeboten werden.

© CSA Research

Zunächst sollten einige grundlegende Fragen zu den lokalen Websites beantwortet werden: Sollen alle Inhalte im Zielland angeboten werden? Sind Produkte und Dienstleistungen identisch? Wird die Website-Struktur analog zum Hauptmarkt aufgebaut? Unterscheiden sich Zielgruppen und Ansprache in den lokalen Märkten?

Diese Fragen können entscheidend sein für die Übersetzung der Inhalte und die technische Umsetzung der lokalen Sprachvarianten. Eine sorgfältige Planung spart Aufwände bei der Lokalisierung.

Um Besucher auf verschiedene Lokalisierungen der Website aufmerksam zu machen, ist es sinnvoll, die Auswahl des Landes oder der Sprache in der Kopfzeile einzubinden. Diese verbreitete Lösung ist vielen User bekannt.

Auch in Hinblick auf Suchmaschinen ist eine Verlinkung der Sprachvarianten untereinander sinnvoll. Über interne Links schließt Google auf den Inhalt einer Seite. Sind also alle internationalen Seiten zentral verlinkt, zum Beispiel über ein Modul in der Navigation oder Kopfzeile, kann Google so an alle Informationen gelangen.

Andere Länder, andere Suchmaschinen

Google ist weltweit die bekannteste und meistgenutzte Suchmaschine, allerdings gibt es zahlreiche Alternativen mit anderen Algorithmen. Ein Beispiel dafür sind die Suchmaschinen Baidu in China oder Yandex in Russland. Bei Baidu werden beispielsweise keine Seiten angezeigt, die eine andere Domain Endung als .cn oder .com haben. Je nach Markteintritt sollten die Besonderheiten der jeweils relevanten Suchmaschinen berücksichtigt werden.

Bei der Erstellung von Sprachvarianten ist es mit einer reinen Übersetzung der Seiteninhalte nicht getan. Auch die versteckten Website-Inhalte sollten angepasst, kulturelle Unterschiede berücksichtigt und technische Aspekte bedacht werden.

»Hidden data« – versteckte Seiteninhalte übersetzen

Doch auch wenn im Zielland Google führend und so der Adressat der Suchmaschinen-Optimierung derselbe ist, ist die Lokalisierung mit der Übersetzung des sichtbaren Textes einer Webseite nicht getan.

Leicht können bei der Übersetzung suchmaschinenrevelante Inhalte vergessen werden, die beim ersten Blick auf eine Website nicht auffallen. Folgende Aspekte sollten Sie daher nicht ignorieren:

  • Webseiten-Titel
  • Meta-Descriptions
  • Alt-Tags und Bildtitel
  • Grafiken, Videos und Untertitel sowie URLs

Nicht nur können Inhalte dieser Art von Lesern eingesehen werden. Screenreader beispielsweise nutzen sie, um sehbehinderten Menschen Bilder und andere Inhalte zugänglich zu machen. Die Übersetzung ist daher eine Frage von Konsistenz und Barrierefreiheit. Gleichzeitig spielen diese Faktoren eine Rolle für Suchmaschinen und verbessern das Ranking im jeweiligen Land sowie Snippet-Texte auf der Suchergebnisseite (SERP).

Doch die Lokalisierung einer Website endet nicht mit dem Angebot verschiedener Sprachvarianten. Oft gehen die Unterschiede bei Nutzerverhalten und -erwartungen deutlich darüber hinaus.

Reicht eine reine Übersetzung?

In einigen Ländern gibt es landesspezifische oder kulturelle Umstände, die sich auf die Anforderungen an Ihre Website auswirken:

  • Wie sind die rechtlichen Vorgaben, beispielsweise bei Impressum und Datenschutz?
  • Was sind die im jeweiligen Land bevorzugten Zahlungsarten?
  • Müssen Maßeinheiten (Größen, Gewichte etc.) angepasst werden?
  • Gibt es Konventionen in der Benutzerführung, die länderspezifische Unterschiede aufweisen?
  • Haben Farben, Bildwelten und Symbole, wie etwa Gesten auf Fotos, dieselben Aussagen und wecken sie dieselben Assoziationen?
© united-domains

Um einen Fauxpas bei der Lokalisierung zu vermeiden, sollten Sie alle Texte einer Website bedeutungserhaltend übersetzen lassen. Werden fremde Märkte adressiert, die sich kulturell vom Ursprungsland unterscheiden, lohnt es sich, Spezialisten aus dem jeweiligen Zielland in die Lokalisierung einzubinden.

Übrigens: Wer auf die Idee kommt, Inhalte automatisiert (etwa über Google Translate) übersetzen zu lassen, sollte sich über potenzielle SEO-Nachteile im Klaren sein. Google hat in der letzten Zeit oft darauf hingewiesen, dass automatisch generierte Inhalte ohne menschliche Überarbeitung als Spam eingestuft werden können. Dies kann zu einer Abstrafung oder algorithmischen Abwertung durch Google führen.

Internationales SEO

Google unterstützt auch die sogenannten Hreflang-Tags, die es ermöglichen, internationale Strukturen optimal für Suchmaschinen abzubilden. So kann ausgeschlossen werden, dass ein Nutzer aus Österreich bei den Inhalten für Deutschland landet, obwohl es spezielle Inhalte für Österreich gibt. Das ist ganz besonders für Shops interessant.

© united-domains

Und noch etwas sollten Sie beachten: Manche Websites nutzen einen sogenannten »IP Redirect«, um Besucher der Website auf die für sie richtigen Inhalte weiterzuleiten. Ein Nutzer aus Großbritannien würde so direkt auf den Ordner /uk/ umgeleitet werden.

Grundsätzlich mag das sinnvoll sein. Dabei sollten Sie aber sicherstellen, dass Google selbst nicht auch umgeleitet wird. Der Suchmaschinenriese hat nämlich eine IP-Adresse aus den USA. Würde Google dann immer auf die englischen Inhalte umgeleitet, würden Sie nicht-englische Inhalte aus der Suchmaschinenerfassung ausschließen – ein Fehler, der nicht selten passiert!

Fazit

Die Anpassung des Webangebots an internationale Konventionen erfordert gründliche Vorarbeit und einigen Aufwand. Investieren Sie entsprechende Mühen, um Ihre Inhalte sprachlich, technisch und kulturell an die jeweiligen Länder anzupassen, können Sie Ihre Marke und Produkte erfolgreich am internationalen Markt positionieren.

Alle hilfreichen Informationen rund um das Thema »Internationalisierung im Mittelstand« finden Sie noch einmal in gebündelter Form in unserem umfangreichen Whitepaper.

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